404

Arno Selhorst, Maximilian Göß
Since 01/2026 9 Episoden

Deepfake not Found

Machen Menschen zumindest einmal etwas richtig?

05.06.2026 41 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge sprechen wir über Deepfakes und darüber, warum das Thema gerade so viel Aufmerksamkeit bekommt. Wir greifen den Fall um Ulmen Fernandes auf, ohne eine Schuldfrage zu klären, und ordnen ein, warum solche Fälle einen Nerv treffen: Sie berühren Identität, Stimme, Gesicht, Körper und damit auch Vertrauen.

Wir erklären, was Deepfakes sind und wie sich die Technik verändert hat. Früher waren dafür viel Rechenleistung, technisches Wissen und lange Trainingszeiten nötig. Heute reichen oft wenige Sekunden Audiomaterial, um Stimmen lokal auf einem normalen Rechner zu klonen. Dadurch werden Deepfakes einfacher, schneller und im Alltag deutlich zugänglicher.

Ein Schwerpunkt liegt auf den Risiken. Wir sprechen über sexualisierte Deepfakes, Betrug, Erpressung, Social Engineering und den Einsatz in Unternehmensbetrug. Als Beispiel nennen wir einen Fall, in dem Mitarbeitende in einer Videokonferenz von mehreren gefälschten Personen und einem Fake-CEO getäuscht wurden. Auch politische Manipulation, gefälschte Nachrichten und Propaganda werden als Beispiele genannt.

Wir thematisieren außerdem, wie man sich schützen kann. Wichtig sei es, ruhig zu bleiben, nicht sofort emotional zu reagieren und Inhalte kritisch zu prüfen. Dazu gehören Fragen nach Perspektive, Schatten, Synchronität von Stimme und Mundbewegungen oder auffälligen Details im Bild und Video. Entscheidend sei, nicht alles unbesehen weiterzuleiten.

Zum Schluss sprechen wir über positive Anwendungen. Genannt werden historische und künstlerische Formate wie „Chloe vs. History“, Museumsinstallationen, Sprachübersetzungen mit derselben Stimme, Aufklärungskampagnen und der Einsatz verstorbener Sprecher mit Zustimmung der Angehörigen. Wir halten fest, dass es vor allem eine neue Kultur der Verifikation braucht: kritisch bleiben, mehrere Quellen prüfen und nicht jedem Medium sofort glauben.

Lust was loszuwerden? podcast@404.info oder direkt über das Kontaktformular unserer Website! 4null4.letscast.fm

Chloe vs history - Rom: https://www.youtube.com/watch?v=aaua5ghidk0
Chloe vs history - Titanic: https://www.youtube.com/watch?v=HZRdKlOHogk
Chloe vs history - Tudorzeit: https://www.youtube.com/watch?v=-Sd1stYQp-c

In dieser Folge sprechen wir über Deepfakes und warum das Thema gerade so viel Aufmerksamkeit bekommt. Wir ordnen ein, wie sich die Technik entwickelt hat und warum heute oft schon wenige Sekunden Audiomaterial reichen, um Stimmen auf einem normalen Rechner zu klonen.
Wir sprechen über die Risiken wie sexualisierte Deepfakes, Betrug, Erpressung, Social Engineering, Unternehmensbetrug sowie politische Manipulation und Propaganda. Außerdem erklären wir, worauf wir beim Prüfen von Bildern und Videos achten können und warum es wichtig ist, Inhalte nicht unbesehen weiterzuleiten.
Zum Schluss gehen wir auf mögliche positive Anwendungen ein, etwa in historischen Formaten, Museen, Übersetzungen und Aufklärungskampagnen. Wir halten fest, dass es mehr Verifikation braucht und wir mehrere Quellen prüfen sollten, bevor wir Medien glauben.

Du hast Lust ein bestimmtes Thema über das wir sprechen sollen, würdest gerne sachliche Kritik äußern oder hättest Interesse als Gast? Dann schreibe uns gerne an podcast@404.info!

Transkript

Maximilian Göß
00:00:00
Herzlich willkommen zu einer wunderbaren weiteren neuen Folge von unserem traumhaften Podcast 404. So Arno, es hatten wir ja bisher harte Themen. Also zum einen, wir haben ja selber gedacht, wo wir uns das erste Mal getroffen haben, sind wir überhaupt beide echt? Reden wir jetzt mit der KI? Ist der eine von uns eine KI oder nicht? Dann haben wir uns ja so ein bisschen kennengelernt, haben über Innovation gesprochen, was auch gerade alles so schief läuft. Über das Thema Führung, die Probleme in der Kommunikation und zu guter Letzt ja auch über unsere wunderbar geschätzten Mittelmanagement-Orgs. Und das waren bisher alles sehr harte Themen und deswegen würde ich auch gerne bei einem harten Thema bleiben und ich würde gerne nur mal am Rand einfach mal kurz dieses Thema vom Fall Ulmen Fernandes ganz kurz aufgreifen. Nicht in dem Fall eine Schuldfrage zu klären, das steht uns als Menschen nicht zu, das ist Sache von Gerichten. Was mich mehr so interessiert und warum ich mit dir darüber reden möchte, zum einen, warum trifft dieser Fall gerade so einen Nerv? Sie sehen es ja auch gerade bei der ganzen Geschichte um den Wal-Timmy. Da waren ja so ähnliche Instrumente von uns Menschen, psychologischer, gesellschaftlicher Sicht ja aktiv, jetzt ja bei dem Thema auch. Weil wir jetzt an Themen angekommen sind, wo wir uns auch fragen müssen, das, was wir zeigen oder worüber wir reden oder was wir sehen, es betrifft ja unsere Identität, unsere Stimme, das Gesicht, den kompletten Körper und ja auch das Vertrauen in, naja, alles. Weil so gesehen ist ja alles technisch manipulierbar und gerade hier ist das ja jetzt beim Fall Ullmann auch klar ein Deepfake,
Arno Selhorst
00:02:07
So wie man das ja nennt.
Maximilian Göß
00:02:09
Bevor wir jetzt über Deepfakes reden, müssen wir gleich erst mal erklären, was das ist. Arno, was genau sind eigentlich Deepfakes?
Arno Selhorst
00:02:18
Ja, also leitet sich eigentlich ab von Deep Learning. Also Deep Learning-Modelle werden verwendet, also KI-Modelle, Deep Learning-Modelle werden verwendet, um sehr realistische, aber eben synthetische Darstellungen von Menschen, Objekten oder Ereignissen zu erzeugen. Da haben wir nachher auch ein paar Beispiele für. Die Deepfakes, wie sie heute erstellt werden, sind deswegen so heikel oder werden jetzt immer auch populärer in Anführungsstrichen, auch im Mainstream, weil sie immer einfacher erstellbar sind, zu erstellen sind. Also wir hatten früher viele Deepfakes, die ganz kompliziert zu erstellen waren. Das war sehr schwierig. Man brauchte sehr starke Rechenleistung. Man brauchte schon ein bisschen Verständnis darüber, was man da so gerade macht, auch IT-technisch, auch programmiertechnisch. Man musste Ahnung haben von Medien, wie man die einsetzt, wie welche Positionen gut sind, gerade beim Video oder bei Fotos. Bei Audio musste man schon Ahnung haben, wie man Sprache digital verarbeitet. Das muss man heute alles nicht mehr. Heute reicht ein handelsüblicher PC, Gaming-PC mit einer guten Grafikkarte drin. Und fürs Deepfaken von Stimme, zum Beispiel, wenn ich jetzt Max deine Stimme faken wollte, könnte ich das bei mir mit ungefähr 5 bis 15 Sekunden deiner Stimme machen und hätte eine perfekte Max-Stimme geklont. Und zwar nicht irgendwie über einen großen Cloud-Server oder draußen, sondern auf meinem Rechner.
Maximilian Göß
00:03:45
Eigentlich erschrecken, dass 15 Sekunden reichen. Ich meine, allein mit unseren Podcast-Folgen könntest du uns jetzt praktisch so perfekt nachmachen, dass wir es selbst wahrscheinlich gar nicht mehr merken würden. Ja, also überleg mal,
Arno Selhorst
00:03:56
Ich habe vor einem Jahr dasselbe Experiment gemacht und da brauchte ich noch ungefähr 25 Minuten einer Stimme und habe die in meinem Computer, um ein Modell anzupassen auf diese Stimme, das ganze Wochenende meinen Rechner laufen lassen, also Tag und Nacht, damit der im Grunde dieses Modell berechnet. Und heute schmeiße ich 15 Sekunden Sound-Schnipsel in ein Tool rein, das ich hier auf dem Rechner laufen habe und die Stimme kommt sofort, die wird sofort gefakt, also mit einem Knall. Dann muss ich nur noch Text eingeben, was die sprechen soll und dann spricht die das. Jetzt überleg mal, ich bin ja jetzt einer, der, sage ich mal, noch einigermaßen aufklärerisch unterwegs ist, der Menschen ein bisschen aufklären, wachrütteln will, der gerne experimentiert und so weiter ohne niedere Absichten. Jetzt überleg dir aber mal, und das ist ein kleiner Rechner, jetzt überleg dir mal Leute, die einen guten Rechner haben oder die vielleicht eine ganze Serverfarm haben, die vielleicht nicht so nett eingehangen sind wie meiner eine und die vielleicht auch das Experimentieren treibt, sondern die wirklich mit finanziellen oder machttechnischen Dingen unterwegs sind, vielleicht auch smartere AI noch haben dazu, die gehen natürlich ganz anders damit um.
Maximilian Göß
00:05:04
Also wenn du das jetzt so sagst, muss ich sagen, Gott sei Dank bin ich froh, wenn ich noch eine Spam-Mail kriege, wo ein nigerianischer Prinz einfach sagt, hey, überweise mir 1000 Euro und dann bekommst du eine Million von mir. Das ist ja noch, das ist ja schon fast die wunderbare Welt.
Arno Selhorst
00:05:19
Ja, auf die Millionen warten wir alle noch.
Maximilian Göß
00:05:22
Aber gut, zumindest war da ja eine Storyline dahinter. Ich, der wichtige nigerianische Prinz und bitte hilf mir, wenn du mir jetzt das gibst, dann kriegst du ganz viel zurück. Da war ja zumindest noch Inhalt da. So heute reichen jetzt beim Voice Cloning also 15 Sekunden. Das hat ja auch ganz unterschiedliche Aussagen. Also beim Qual Ulmen geht es ja jetzt um sexualisierte Deepfakes, also Fake-Pornos, Deep-Nudes. Also sozusagen Angriff auf die Würde des Menschen, Selbstbestimmung, dessen Ruf. Beim Voice Cloning machst du Also Betrug, Erpressung, kannst ja Leute sozusagen schocken. Dann hatten wir ja immer noch, es gibt ja dieses Social Engineering nennt sich das, kannst ja wunderbar dann Business Frauds machen. Also der CEO meldet sich und ich brauche jetzt ganz dringend sehr viel Geld, aber ich bin dein CEO und damit hast du zu liefern. Die Drohgebärde funktioniert dann auch ganz gut.
Arno Selhorst
00:06:20
Da gab es übrigens mal einen spannenden Fall. Da interessiert sich der Arup Hongkong-Scam. Da wurden Mitarbeitende von einem Unternehmen dazu gebracht, 25 Millionen Dollar an die Betrüger zu überweisen. Das Problem war ein bisschen, dass die dachten, die hätten ihrem echten CEO das in England überwiesen. Sprich, die wurden in Hongkong angesprochen, die wurden in eine Videokonferenz eingeladen. Da saß dann tatsächlich ihr CEO vor ihnen. Und die ganzen anderen Personen drumherum, also es war eigentlich nur eine Person, die betrogen wurde und die hat die 25 Millionen überwiesen und alle anderen drumherum waren Fake AIs, also AI-Personas. Und jetzt stell dir mal vor, du kommst als Mitarbeitender an einem Freitagspätnachmittag in so eine Videokonferenz, dein CEO sitzt dir gegenüber, hoch aufgebracht, sehr dringlich, alles muss ganz schnell gehen natürlich, es sind immer rote Flaggen natürlich, sowas sollten rote Flaggen sein, aber es ist ganz dringlich. Und dann sitzen aber nicht nur er da, sondern noch drei, vier andere, die auch aus dem Board sind und drängen jetzt auf diesen Mitarbeitenden ein. Und die ganze Situation ist übrigens sehr plausibel gewesen. Es war schon plausibel, dass der da vorgeladen wurde und mit denen gesprochen hat, aber es waren halt alle fünf, also der CEO plus diese vier Mitarbeitenden waren alles Fakes. Und das Verrückte ist, so die Zeitungsartikel dazu, die haben sogar sich untereinander unterhalten.
Speaker2
00:07:45
Und dann wieder
Arno Selhorst
00:07:46
Mit dem Kollegen gesprochen, der als einziger echter Mensch da drin war. Und das ist natürlich so, ich sag mal, die Krone des Betrugs im Moment, oder das war jetzt 24 übrigens, nicht dieses Jahr, sondern 24, vor zwei Jahren war das der Betrugsfall. Da muss aber viel vorbereitet werden, das kann man nicht mal so eben machen.
Speaker2
00:08:03
Das zeigt auch ganz gut,
Arno Selhorst
00:08:04
Welch immense kreative, kriminelle Energie da mittlerweile reinfließt in sowas. Und meine Vermutung ist auch, dass das eben das Werk jetzt auch vom organisierten Verbrechen war. Das war jetzt nicht irgendwie so ein Max oder ein Arno, die dachten, das ist ja mal ganz lustig, so ein Unternehmen die Haut über die Ohren zu ziehen, sondern das war richtig lang geplant. Da mussten Menschen ausgekundschaftet werden, perfekte Opfer gefunden werden und und und. Aber der Arup Hongkong Scam ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie das funktioniert. Und übrigens, ich habe es selber erlebt, auf LinkedIn wurde ich tatsächlich von einem gediebfähigten CEO des Unternehmens angesprochen, bei dem ich arbeite. Und der wollte mich dann in eine WhatsApp-Gruppe hineinziehen und sage, hier, ich muss mal mit dir reden, Arno. Und ich wusste, dass das auf keinen Fall unser CEO wirklich sein kann. Ich habe mir dann die LinkedIn-Präsenz angeguckt und habe gesehen, das war irgendwie völlig schattenhaft, was da gezeigt wurde auf LinkedIn von dieser Person. Und letzten Endes habe ich unserer Security den Fall weitergegeben und die ist dann testweise in diese Videokonferenz reingegangen und hat mal sich angeguckt, was denn da so gemacht wird. Die wussten ja Bescheid, die wussten ja, dass das alles nicht koscher ist und haben mir danach noch mal gedankt, dass ich das denen geschickt habe, weil tatsächlich war dann ein Fake-CEO da und wollte dann eben von den anwesenden Geld haben und die sollen das dann möglichst ganz schnell überweisen.
Maximilian Göß
00:09:30
Das war aber wohl auch so. Das war echt ein Fake-Tim?
Arno Selhorst
00:09:32
Das war ein Fake, ja genau, das war ein Fake-CEO, das war tatsächlich so und der war auch dann recht eloquent, auch stimmentechnisch wohl relativ ähnlich, aber nicht ganz, aber da waren halt viele Pointer, die in Richtung gezeigt hatten, das ist nicht der echte. Allein schon die Tatsache, niemand würde mich aus so einer Ebene anchatten auf LinkedIn und fragen, kannst du mal in WhatsApp-Chat kommen? Nie im Leben. Und da muss man ein bisschen seinem Bauchgefühl erfolgen. Also ist ja schön, wenn man die Ehre hat, mit einem CEO zu reden. Aber jetzt mal ganz ehrlich, ist das real? Nee, wahrscheinlich nicht. Kneif mich und ich kann dir sagen, nein, das ist alles nur Traum. Und in dem Fall war es halt auch so und ich habe das direkt auch für mich durchschaut. Ich glaube aber, dass die größere Gefahr, Max, ja da drin liegt, dass es Menschen wortwörtlich wie du und ich sind. Das sind also dann Menschen, die vielleicht deine direkten Kollegen oder nur ein Vorgesetzter, ein Level über dir ist oder so oder unter dir oder was auch immer, dass da so ein möglichst doch plausibles Szenario entsteht und ich wette, dass da viel mehr in Anführungsstrichen ein Deepfake-Umsatz gemacht wird mit Unternehmensbetrug als so völlig absurde Aktionen wie jetzt ruft dich der CEO an und Arno, der muss jetzt mit dir reden. Das ist so auffällig falsch, das kann gar nicht sein. Da würde ich sagen, da sind viele sicher, wenn man sich einigermaßen den Kopf auf den Schultern behält und nicht völlig abgehoben wird und denkt, oh, der CEO will mich sprechen. Aber diese kleinen Dinge in der gleichen Hierarchieebene drüber oder drunter vielleicht auch, das halte ich schon für wahrscheinlicher, dass man sich davon schnell, wenn man nicht aufpasst, übers Ohr hauen lässt.
Maximilian Göß
00:11:00
Jetzt fällt mir gerade ein, weil wir dieses Thema jetzt hatten, ich erinnere mich noch an so Videos, beziehungsweise beim letzten Video-Ident-Verfahren, das ist noch gar nicht so lange her, hat man das auch verlangt. Und ich habe mich ja ein bisschen gewundert, weil da war die Aufgabe, nimm bitte deine Hand, so war das ja auch bei den Bewerbungsgesprächen, nimm deine Hand und fahre praktisch so direkt mit der Hand über dein Gesicht von unten nach oben, von oben nach unten. Da dachte ich mir so, okay, also ich nehme an, das hat wahrscheinlich vor drei Jahren super funktioniert, aber wenn du mir das vorhin erzählst, vorher 25 Minuten, jetzt 15 Sekunden, gerade bei Videocalls und der, ich nenne es mal Verifikation oder jetzt dem CEO-Fraud, klappt das überhaupt noch, wenn ich hier mein Händchen mal so hoch und runter mache?
Arno Selhorst
00:11:51
Nee, eigentlich nicht mehr. Also ähnlich ist das in den USA, habe ich Fälle gelesen, Da haben Jugendliche Altersgrenzen umgehen wollen und haben dann im Grunde mit Deepfake-Tool sich selber ein anderes Gesicht gegeben und haben dann genauso Videoident gemacht und konnten dann, keine Ahnung, bei verschiedenen Games zum Beispiel trotzdem die Spiele spielen, obwohl sie nicht 16 waren oder 18. Und das haben Kids gemacht, also nicht irgendwelche Eierköpfe im Labor, die sich irgendwelche smarte Software hingelegt haben, sondern Jugendliche, die einfach wissen, wo sie was finden. Und das ist halt jetzt, das meine ich, mit in den Mainstream gekommen. Das macht jetzt jeder hin zu Kunst, kann jetzt alle möglichen Fakes machen. Ich habe damals, lustigerweise, kann man hier ganz gut mal anbringen, eine Magisterarbeit geschrieben an der Uni Bonn über das Thema letzten Endes, dass ich sage, die Wirklichkeit ist nichts anderes als ein Special Effect. Also ich habe Medienanalyse gemacht und habe dann herausgefunden, eigentlich wird Realität, die Wirklichkeit, so in Szene gesetzt, wie man einen Special Effect nutzt. Und das hat sich mittlerweile bestätigt, weil nichts anderes sind die Deepfakes, die wir heute sehen. Das sind Special Effects. Das sind halt, ich könnte jetzt dein Gesicht nehmen und irgendwo anders einbauen und niemand wird es merken. Das ist also ein Special-Effekt, den ich digital anwende, um dein Gesicht in eine andere Szene zu packen oder deinen Körper oder was auch immer. Und diese Möglichkeiten hat es halt zu der Zeit, als ich die Magistarbeit geschrieben habe, sowieso noch nicht gegeben, davor auch nicht. Da brauchtest du noch ganze Special-Effekt-Studios à la Hollywood, in denen das ging. Wir haben ja uns eben auch ein Video angeguckt, da kommen wir ja gleich nochmal zu. Chloe, da ist die Protagonistin des Videos, das wir uns gleich vielleicht auch anschauen wollen, in der Zeit der Dinosaurier. Und ich musste so ein bisschen an den Film denken, wie hieß er nochmal mit den Dinosauriern? Jurassic Park. Jurassic Park. Und ich weiß noch, damals, als ich den im Kino gesehen habe, wie krass das war, die stehen dann von diesem Range Rover auf, diesem Geländewagen und gucken dann in die Ferne, wo dann diese riesigen Dinosaurier rumlaufen. Das war mega schwierig, diese Special Effects zu machen. Ich habe ein Making-of gesehen, total komplex. Und jetzt macht das mal eben so ein YouTuber am Wochenende für ein lustiges Video, in dem eine Frau in die Vergangenheit gereist ist und sich die Dinosaurier anguckt. Ich meine, überleg mal, wie krass ist das?
Maximilian Göß
00:14:16
Es heißt jetzt zum einen, diese Schwelle für, ich nenne es mal, um kriminelle Menschen, Energie überhaupt aufzuwenden, ist jetzt praktisch um das X-Fache gesunken. Dann nicht nur die Schwelle, sondern auch die Möglichkeit, das überhaupt zu tun. Parallel haben wir immer mehr, ja schon fast, ich kann es ja so sagen, eigentlich Krisen. Das Beispiel, so beim Ukraine-Krieg hat das ja auch sehr, sehr viel angefangen. Da gab es doch auch einige Vorkommnisse. Ich habe das noch irgendwie so ein bisschen im Gedächtnis.
Arno Selhorst
00:14:50
Ja, das war glaube ich 22, da gab es schon das erste Kapitulationsvideo angebliche von Selensky. Da hat er gesagt, im Grunde, ja, das hat keinen Sinn, ich gebe auf. War natürlich reinste Propaganda, Propaganda vom Feinsten. Es gab auch gefälschte Videos von Friedrich Merz. Im Wahlkampfkontext gab es da was. Scholz wurde gedeepfaked. Es wurden Nachrichten, ARD-Nachrichtensprecher gefaked.
Speaker2
00:15:18
Ich habe mir mal die Mühe gemacht, ein bisschen zu suchen,
Arno Selhorst
00:15:20
Wo die Leute die Stimmen verdammt nochmal herkriegen. Und es gibt tatsächlich, oder es gab, es ist schon wieder gelöscht worden, ein Repository, eine Datensammlung von Deepfake-Stimmen auf Hugging Face. Hugging Face ist nichts Illegales, es ist eine ganz tolle Sammlung an Modellen und Dateien für Modelle, für KI-Modelle. Aber da gab es halt auch einen Ordner, in dem wirklich tausende von Stimmen waren, von Schauspielern, Politikern und so weiter, die irgendwer da hochgeladen hat. Und ich muss das so ein bisschen an die Zeit von Napster erinnern und gestohlener Musik, wo auch dann irgendwie dauernd die Server gewechselt wurden, damit man ja nicht irgendwie den Benhammer bekommt. Und jetzt wurden halt da überall diese Stimmen hochgeladen. Es gab mal, ich glaube 23 war das im Winter, Aufnahmen von Demos, von irgendwie AfD-Demos, wo dann laut auf Lautsprechern angebliche Entschuldigungsverlautbarungen von Tagesschausprechern vorgespielt wurden, während die durch die Straßen gezogen sind. Und das waren natürlich auch gediebfakte Entschuldigungen von ARD-Moderatoren und Moderatorinnen. Die haben das natürlich nie gesagt. Die würden sich ja nie dafür entschuldigen, dass sie vernünftigen Journalismus machen. Aber die AfD, gewusst, gewollt, also Vorsatz oder nicht, haben diese Soundfiles abgespielt, während sie durch die Straßen marschierten. Und auch das ist natürlich komplette Instrumentalisierung von Deepfake. Das sind Dinge, die werden jetzt unser Alltag sein. Man kann, ohne jetzt zu weit vorauszugreifen, aber man kann jedem und jeder nur raten, jetzt nicht nihilistisch durch die Welt zu gehen und zu sagen, alles ist fake, nichts ist wahr. Aber man muss eine neue Lesart für Medien sich aneignen, vor allen Dingen für Medien. Und das ist jetzt nicht so Medienunterricht an der Schule, sondern das muss gelebt werden. Das heißt, wenn ich jetzt irgendwie was sehe, muss ich nicht direkt denken, das stimmt nicht, aber ich müsste, wenn mich das wirklich interessiert und ich diese Nachricht, sei sie Bild, Ton oder Video, aufnehme, dann wäre es eigentlich meine Pflicht zu checken, wenn das für mich relevant ist, ist das echt oder nicht. Wenn ich das einfach mit einem Lächeln wegtue und sage, jo, das ist halt irgendwie was, keine Ahnung, ist mir egal, ob das echt ist oder nicht, ist es witzig, wenn eine Katze Klavier spielt, okay, verstehe ich. Oder eine Katze vor einer Tür steht und Geige spielt, bis die Besitzer rauskommen und sie wegscheuchen und sie die Geige fallen lässt, ist alles super witzig. Springende Eichhörnchen auf Trampolins im Garten, auch super witzig. Aber wenn es dann darum geht, dass ich plötzlich Selinski sehe, der in Tränen vor dem Mikro steht, und sagt, es hat alles keinen Sinn. Und wenn ich das dann einfach, was ich nicht tun würde, aber gedankenlos an dich, Max, schicken würde, habe ich genau das getan, was eigentlich auch intendiert ist von den Menschen, die sowas lostreten, nämlich schön verbreiten, dass hier jemand etwas getan hat, was er eigentlich nie getan hat. Und das ist die neue Bürgerpflicht, die alle haben, global, nicht nur die Deutschen, global, dass wir solchen Dingen nachgehen, uns die Zeit nehmen, das zu analysieren. Und wenn wir dann wirklich glauben, ja, das ist echt, dann vielleicht nochmal mit jemandem darüber sprechen, der das nochmal bewertet und dann vielleicht sich tatsächlich denken, okay, das möchte ich jetzt weiterleiten oder eben auch nicht. Aber da muss viel, viel mehr, meiner Meinung nach, tiefes Verständnis aufgebaut werden von dem, was ich da vor mir sehe oder was ich da höre. Und ich unterstelle jetzt mal, dass das nicht stattfinden wird. Ich unterstelle eher, dass die meisten Menschen Rückenmarkreaktionen haben und sagen, das ist ja gerade die Ragekultur, die wir so haben, also schön aufregen, Skandal aufregen, da zählt übrigens auch diese Ulmensache zu. Ich will nicht abtun, dass die vielleicht wirklich so passiert ist. Ich will aber auch sagen, dass Aufregung immer Publikum findet.
Speaker2
00:19:07
Und auch das, diese Ulmensache,
Arno Selhorst
00:19:09
Ist ein typischer Aufreger. Ja, das ist schlimm, wenn das alles wirklich so passiert wurde, ist das schlimm. Wir dürfen uns aber nicht davon so mitreißen lassen. Wir müssen solche Sachen viel neutraler, viel objektiver, viel cooler uns anschauen. Und dann, wie du es eben ganz richtig gesagt hast, Max, den entsprechenden Stellen den Zugriff lassen, die darüber zu urteilen haben und zu bewerten haben. Das ist nun mal gerichtet. Das ist eine Straftat. Wenn es denn so ist, ist es eine Straftat. Muss man ganz normal wie alles andere auch bestrafen. Es hilft niemandem, wenn man das dann rumschickt. Aber damit bin ich jetzt durch.
Maximilian Göß
00:19:42
Das ist eine wichtige Zusammenfassung, die du gerade gemacht hast. Zum einen habe ich ja vorhin gesagt, ja, die Schwelle, um überhaupt bösartige Dinge zu tun, ist jetzt auf einem Level, naja, Ebene minus zwei. Vorher war es ja immer noch der siebte oder achte Stock. Dann sehen wir jetzt ja auch ganz klar die Aufregerthematik. Also Menschen, die wahllos Dinge verschicken, es selbst gar nicht mehr prüfen. Das heißt, die andere Seite fehlt ja dann im Prinzip. Das kritische Denken, das kritische Hinterfragen. Ist das, was ich da sehe, jetzt überhaupt gut? Und dann unsere, naja, ich nenne es jetzt mal, ist jetzt egal in welchem Fall, wir sind jetzt identische Muster jetzt ja auch gerade, wo es um den gestrandeten Wal ging, wo Menschen sich im Netz ja zusammengeführt haben. Dann gab es wieder Wilde, die dahin und geweint haben und sonst wie. Man hat es geschafft, extrem viele Wissenschaftler zu überhören. Gab es ja wieder irgendwelche Streamer oder Influencer, die sich dann wichtiger gemacht haben, weil die Show ist ja doch wichtiger als alles andere. Das war so der wunderbare Nebeneffekt. Das hier interessiert eigentlich keinen, aber ich bin im Netz und wichtig und toll. Und parallel diese ganze Sache, die, ich bin kein Jurist, ich kann es nicht rechtlich einschätzen, aber was ich ja zumindest sehe und aus den Nachrichten und Infos so zusammen habe, ich meine, okay, in Deutschland dauert es immer ein bisschen länger, das ist ganz normal. Und gerade wenn wir jetzt über Deepfakes reden, Strafverfolger hatten ja bisher auch nie wirklich die Möglichkeit, irgendwie das Ganze grifftechnisch zu machen, wenn dann war es ja eher Beleidigung, Kunsturheberrecht und andere Vorschriften, die es ja gab. Also jetzt gibt es ja gerade so die Richtung im Gesetzentwurf, um sowas überhaupt mal in Richtung digitale Gewalt ja überhaupt zu greifen oder greifbar möglich zu machen.
Speaker2
00:21:51
Aber wenn wir jetzt
Maximilian Göß
00:21:51
All das jetzt mal so in Summe sehen, und das ist ja doch ein gewisser großer Knackpunkt aus deiner Sicht,
Speaker2
00:22:01
Was würdest du jetzt so an Tipps geben,
Maximilian Göß
00:22:03
Damit Menschen sagen, wie
Speaker2
00:22:06
Müsste ich denn
Maximilian Göß
00:22:07
Jetzt vorgehen, um mich ja auch selbst zu schützen?
Arno Selhorst
00:22:11
Ja, also wir gehen ja gleich nochmal so ein bisschen auf die Cases rein, die ein bisschen positiver sind. Wir haben jetzt gerade auch so ein paar Sachen genommen, die natürlich sehr edgy sind und sehr schwierig. Gibt es ja auch ganz viel, kommen wir gleich nochmal drauf. Aber jetzt gerade bei so Deepfakes, die auch negativ sind und so. Man schützt sich zunächst mal, das ist ganz schwierig, aber ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, in dem man sich emotional festigt. Das können Menschen, die ein bisschen gereifter sind, besser als Menschen, die vielleicht gerade in oder aus der Pubertät kommen, denn die haben auch ein bisschen andere Probleme gerade am Laufen. Die lassen sich auch schneller natürlich hinreißen zu verschiedenen emotionalen Reaktionen. Aber wenn ich mich von etwas, wie auch immer, im Guten, wem Bösen, im Schlechten, wem Sauren hinreißen lasse, ohne darüber nachzudenken, überspringe ich halt so das kritische Denken im Hirn und gehe sofort in den Rückenmarkreflex, was ich eben als Rückenmarkreflex meinte. Und eine Version oder eine Form, sich gegen Deepfakes zu wappnen, ist tatsächlich cool zu bleiben, ruhig zu bleiben. Es ist niemandem geholfen, habe ich eben gesagt, wenn man jetzt da sich riesig aufregt. Ich glaube, es ist ganz wichtig, erstmal cool zu bleiben und je absurder und je teilweise auch, Deepfakes können auch extrem brutal sein, auch visuell ganz schlimm sein.
Speaker2
00:23:23
Da zuckt es einem zusammen und der Magen geht runter.
Arno Selhorst
00:23:26
Merkt man, wie das Blut in den Magen schießt, wenn man so geschockt ist. Und man hat dummerweise sich gar nicht darauf vorbereiten können, dass plötzlich so ein bescheuertes Video einem in die Timeline gespült wird. Das kann passieren. Deswegen übrigens Jugendliche und so weiter und Internet, anderes Thema. Und wenn ich dann so einen Defect sehe, das mich dermaßen weghaut, dann, das ist zumindest meine Erfahrung, hilft es immer, wenn man sagt, weißt du was, die wollen genau diese Knöcke drücken, damit man so reagiert. Ein guter Filmemacher, also ich werde nie vergessen, als ich Requiem for a Dream gesehen habe, ich muss es nochmal sagen, ich habe den Film nur dreiviertel gesehen, da musste ich raus, ich habe den nicht ausgehalten, weil der so gut war. Aber der war gut grausam, der war halt sehr, sehr gut gemacht technisch, aber das Thema war so brutal, dass ich sagte, das halte ich einfach nicht aus. Ich werde den wahrscheinlich auch nie mehr wiedersehen, den Film. Aber wäre der nicht handwerklich so gut gewesen, hätte der ja nicht diese Knöpfe gefunden, die er da drücken muss, um mich so reagieren zu lassen, wie ich dann menschlich, körperlich, psychisch reagiert habe. Und das ist bei Deepfakes Programm. Deepfakes, die eine bestimmte Absicht haben, wie finanziellen Betrug oder politische Meinungsmache, Propaganda, die drücken ja genau auf diese Knöpfe, damit das reflektive, kritische Denken ausgeschaltet.
Speaker2
00:24:41
Und übersprungen wird.
Arno Selhorst
00:24:43
Und deswegen ganz wichtig als allererstes, wenn du fragst, was soll man, was macht man gegen Deepfakes, sich selber kurz mal checken, reagiere ich jetzt aus dem Bauch raus, aus dem Rückenmark oder reagiere ich, weil ich darüber erstmal ein bisschen nachgedacht habe. Das ist schwer, aber das kann man auch üben. Man muss ja deswegen kein gefühlloses Stück Stein werden. Also man ist ja trotzdem ein Mensch und man darf auch Emotionen haben. Aber fragt euch einfach mal, warum ist dieses Stück Medium jetzt so gebastelt, wie es gebastelt ist? Was will das denn erreichen bei mir? Und oh, bei mir klingelt irgendwas drin. Offenbar hat es da was angetingelt. Und warum genau das? Sei es Fremdenhass, sei es Hass auf größere Gruppen, was auch immer. Hass auf Frauen, Hass auf Männer, Hass auf Kinder, Hass auf Hunde, völlig egal. Neid, solche Sachen, die werden gerne benutzt, Menschen gegeneinander ausspielen, Technologien verteufeln, übrigens auch KI verteufeln, das ist auch Blödsinn. KI in den Himmel heben, genauso, finde ich auch bescheuert, aber überall, wo ihr so im Bauchgefühl wisst, ah, irgendwie ist da, das geht bei mir so rein, also Mist, ich muss ja nicht mal drüber nachdenken, ich reagiere sofort, fast vielleicht körperlich, vielleicht kriegt man schwitzige Hände, oder läuft es einem wortwörtlich kalten Rück runter, das ist immer so ein Marker. Und ansonsten gibt es viele technische Dinge, also genau, Genau, also zum Beispiel Bildbearbeitung. Guckt mal, ob die Perspektive stimmt, ob die Schatten richtig fallen. Und da gibt es ganz viele Sachen. Bei Videos bewegt sich der Adernapfel, gerade bei Männern, wenn die Leute sprechen. Zucken die, blinken die Menschen mit den Augen. Auch ganz interessant, manche tun das gar nicht. Ist die Stimme synchron mit dem Mund? Hat der die Zähne immer anders jedes Mal, wenn er den Mund aufmacht? Sehen die immer anders aus, die Zähne? Ganz interessant. Hat der vernünftig viele Finger an den Händen? Das ist mittlerweile fast schon oldschool, aber das ist auch noch ein Punkt. Da gibt es ganz viele Sachen.
Maximilian Göß
00:26:25
So, das ist ja schon mal gut, dass ich mich zumindest so ein bisschen schützen kann oder zumindest auch weiß, worauf ich drauf achten muss. Ist ja auch ganz wichtig, dass wir nicht immer nur über das Negative reden. Hast du, ich nenne es mal bewusst, positive Deepfakes, wo das Ganze ja auch mal sinnvoll, gut und nützlich ist? Ich meine, klar, wir sind Menschen, wir machen immer erstmal irgendeine Shitshow und machen immer das Schlechteste, weil hey, wir sind Menschen, wir könnten ja einfach mal gute Dinge tun, aber das wäre viel zu einfach. Das ist ja leider der Klassiker, wir sehen es ja auch in der heutigen Welt eh sowieso, jeden Tag, jede Minute. Aber es gibt ja trotzdem auch die guten Dinge und deswegen will ich die auch unbedingt hervorheben, weil auch wenn es wenige sind, aber lass uns doch mal über die guten Dinge sehen. Was wären so deine guten AI Beispiele für Deepfakes?
Arno Selhorst
00:27:22
Also ein gutes Beispiel für Deepfakes ist zum Beispiel, wenn du mich siehst auf einem Sprungbrett an einem Swimmingpool und dann springe ich rein und springe in einen Haufen Geld. Das wäre richtig cool, das wäre ein schön... nein Quatsch. Also gute Anwendungen. Ja, Dagobert. Da hatte ich gerade so im Kopf einen schönen Dagobert. Nee, aber jetzt mal ernsthaft. Es gibt tolle Anwendungen für KI. Habe ich letztens noch mit meiner Frau ein ganz tolles YouTube-Video gesehen, in dem ein Mensch mal die alte Zeit in Köln, als der Kölner Dom noch nicht gebaut war, also als der gerade im Bau war, dokumentiert hat. Und das Tolle ist, dieser YouTuber ist tatsächlich selber dann als Person durch diese alte Köln gelaufen und hat dann, während er durch die Stadt ging, im Grunde so ganz beiläufig erzählt, wie sich jetzt Köln gerade auf den Kölner Dom vorbereitet, wie die Kirche da involviert ist. Sie ist ja im Grunde eine eigene Bank gewesen, ein Institut da und erklärt im Grunde sehr gut recherchiert die Zeit, wie sie damals so war zu Köln. Und ich fand das so toll, dass man jetzt durch Diebfax im Grunde als moderner Mensch durch die Städte oder durch die Zeiten gehen kann, dass ich mir das nochmal mehr angeguckt habe. Da gibt es dann auch, hatte ich dir, glaube ich, mal gezeigt, wie hieß sie nochmal, Joey. Oder Zoe's Lauf durch die Geschichte, ich gucke mal gerade, nee, Chloe war es, Chloe, genau. Die hat einen YouTube-Kanal, Chloe vs. History, können wir in den Shownotes auch mal verlinken, glaube ich. Chloe vs. History auf YouTube. Und die geht dann auch durch die verschiedenen Zeitalter, die hat nicht so viele komplette Videos, sondern eher so Shorts veröffentlicht, in denen sie mal zeigt, was man so machen kann. Mit Deepfaking und ja, also einem positiven Aufschlag. Nämlich dann zu sagen, ich erkläre euch jetzt mal zum Beispiel, wie es damals in Ägypten bei den Pharaonen aus oder diese, was ich eben erzählt habe, diese Reise zu den Dinosauriern. Dann erzählt sie, wie es zur Zeit im alten Rom war. Geht zu den Eingeborenen, den Native Americans in den USA, als noch nicht die Siedler da waren. Oder reist mal eben 10.000 Jahre vor Christi in die Steinzeit. Also richtig toll und diese verschiedenen Eindrücke, die man dann so von ihr mitbekommt, die pfeffert sie immer mit unheimlich viel Humor, weil sie ist halt so ein Influencer aus der Neuzeit, ungefähr so in ihren Zwanzigern gerade und hält natürlich die Kamera immer schön im Selfie-Look. Kommentare, muss man zwangsläufig schmunzeln und man sieht quasi, wie viel Liebe zum Detail und wie viel Mühe in solche Fake-Videos gesteckt wird, um Menschen für Geschichte und für Ereignisse aus der Geschichte zu begeistern, zu interessieren. Ob jetzt die Person, die da abgebildet ist, wirklich auch die Person ist, die den Kanal macht, steht auf einem anderen Blatt, das ist wieder dann Faking, hoch 1, hoch 5, aber grundsätzlich ist das ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man eben auch Deepfakes nutzen kann. Überhaupt, wenn du dir anguckst, was so, sag ich mal, im künstlerischen Bereich mit Deepfakes gemacht wird. Das ist spannend. Es gibt zum Beispiel Dali Lives. Das ist im Dali-Museum eine Deepfake-Installation, in der man Salvador Dali als interaktives Exponat erleben kann, wie er dann über die Sachen spricht, über seine Kunst spricht. Sehr, sehr spannend. In dem wurde natürlich viel auch sein Charakter reingebaut. Dann erlebt er nicht mehr logischerweise. Und da anschließend, es gibt auch, wo ich ein bisschen zwiegespalten bin, aber Trauerarbeit, die erleichtert wird durch Deepfakes. Wenn Menschen verstorben sind, lässt man sie im Grunde durch Deepfake nochmal aufnehmen. Da gibt es einen sehr spannenden Fall von 25 im Mai, also ungefähr vor einem Jahr war das. Das ist das Arizona-Pelkey-Impact-Statement. Da hat eine Familie ein KI-Video ihres Verstorbenen, das Chris Pelkey, erschaffen, um vor Gericht ein Opferstatement zu bringen, durch seine Lippen. Also der hat im Grunde dann vor Gericht nochmal ausgesagt als Opfer, als Mordopfer. Und das hat natürlich in den Medien noch Wellen geschlagen, dass ein Mordopfer nochmal vor Gericht aussagt. Es war für die Geschworene natürlich eine extreme Emotionalisierung, hat aber auch der Familie dabei geholfen, Trauerarbeit für sich zu leisten und Dinge abzuschließen und den Schlüssel umzudrehen zu dem Kapitel. Aber auch ein sehr, sehr spannender Fall. Überhaupt, auch in der Forensik kann man natürlich sehr, sehr gut sowas nutzen, also gerichtliche Dinge, wo dann ganz klar natürlich ausgewiesen wird, dass das Fakes sind, aber damit können sich Menschen, Richter und Geschworene sehr gut Situationen vorstellen.
Maximilian Göß
00:31:39
Also gerade in der Forensik kann das sehr spannend sein, was mich aber doch ein bisschen überrascht. Aber gut, sind die USA, da sind solche Dinge möglich. Dass ein Opfer als, naja, AI aussagt zu dem, was passiert ist.
Arno Selhorst
00:31:53
Wild, wild.
Maximilian Göß
00:31:54
Aber das mit Chloe, das beschäftigt mich. Hast du mal Lust, dass wir da mal ganz kurz reinhören?
Arno Selhorst
00:32:00
Ja klar, also wir können ja mal schauen, was wir da an interessanten Videos haben. Die Videos in der Steinzeit sind ein bisschen doof, weil da niemand spricht. Übrigens, sie spricht eigentlich die ganze Zeit. Ich würde sagen, wir gehen mal ins alte Rom. Das fand ich ganz spannend.
Maximilian Göß
00:32:14
Oder machen wir das mal? Ich hole mir das mal her. Also für euch, die natürlich da jetzt ganz neugierig sind, ihr kriegt es da natürlich auch in den Shownotes zur Verfügung gestellt. Da könnt ihr auf den Link klicken und euch das mal bei YouTube angucken.
Arno Selhorst
00:32:35
Die reale Sachen, nicht die... Da ist ein Goat. Da ist ein Goat. Auf der Helle. So welcome to Rome in the year 44 AD. And as you can see, this is no four seasons. It absolutely stinks in here. Also, I have been sleeping on an actual stone slab, like not firm, stone. I did not sleep. I would normally do a bathroom tour right now, but this is what I get. I am simply going to acknowledge that it exists, that Romans were very practical people. And yeah, moving on. So outfit check. It's giving ancient Rome. I'm into it.
Maximilian Göß
00:33:29
Hast du gerade gemerkt, wie als sie die Bar-Droom-Tour machen wollte und das Handy sich rumgedreht hat, das könnt ihr natürlich nicht sehen, aber hast du gemerkt, wie sich die Tonqualität verändert hat, weil die Mikroposition eine andere war? Das war crazy.
Arno Selhorst
00:33:44
An sowas zu denken, ne?
Maximilian Göß
00:33:46
Wahnsinn. Das wäre sogar
Arno Selhorst
00:33:47
Mir nicht mehr.
Maximilian Göß
00:33:48
Eingefallen, obwohl ich ganz lange bei der ARD gearbeitet habe, aber darauf, ja, die Continuity wäre stolz auf jeden Fall.
Arno Selhorst
00:34:01
Die können das halt sehr gut. Die können, die haben sozusagen eine situative Awareness, situational Awareness, also eine diese Modelle haben ein Bewusstsein für den Raum. Das heißt, die müssen, die können nicht nur toll Videos, also Bilder produzieren, sondern die verstehen auch dann, wo Dinge passieren, auch wenn sie nicht mehr in der Kamera sichtbar sind. Also wenn ich jetzt jemanden habe, der spricht und die Kamera dreht sich nach rechts, dann wandert der Ton nach links. Und das verstehen diese Videomodelle mittlerweile. Das können die.
Maximilian Göß
00:34:31
Schön, dass es auch mal schöne Dinge gibt. Und vor allem, wenn wir jetzt auch mal was Schönes, Positives geben. Also ich muss zugeben, ich gucke mir heute noch Chloe vs. History an.
Arno Selhorst
00:34:40
Ich bin es doch neugierig geworden. Ja, es gab viele gute Dinge, also zum Beispiel auch politisch. Es gab eine Obama-Aufklärungskampagne zum Thema Deepfakes und da wurde Obama eben als Deepfake in Anführungszeichen Opfer genommen, aber ganz klar positioniert im Kontext einer Aufklärungskampagne oder auch Dinge, die in die Richtung Lokalisierung gehen. Das ist auch ein super tolles Thema. Das heißt also, Menschen und Audio werden sofort übersetzt in verschiedene Sprachen, aber mit derselben Stimme. Und das ist halt auch besonders. Das ist so, das siehst du jetzt schon übrigens auf YouTube, macht das auch nicht so gut, aber immerhin, das wird schon. Da kannst du dann eben mittlerweile englisch- oder arabischsprachige Videos in deutscher Stimme hören, mit der arabischen Stimme, aber mit der Klangfarbe desjenigen, des Influencers, der jetzt, keine Ahnung, da auf Arabisch gesprochen hat. Und das ist auch, finde ich, ganz, ganz spannend. Mir gefallen die Videos persönlich noch nicht so toll, weil die Stimme noch sehr blass ist und sehr monoton spricht. Aber der Weg dahin ist ganz klar, dass, wenn ich ein YouTube-Video mache, direkt meine Stimme in alle Herren Länder übersetzt wird, automatisiert über KI. Und ja, das ist auch ein Deepfake meiner Stimme. Nur jetzt eben dafür ganz gut, dass eben ein Video in mehreren Ländern auch verstanden werden kann. Und dann haben wir natürlich noch ein, kann man positiv oder negativ sehen, aber ein super Use Case für Marketing und Werbung. Du kannst also ganz schnell, wenn du die verschiedenen Verträge hast mit den Personen, Prominente für dein Werbeprodukt nehmen. Natürlich nur dann, wenn die Prominenten eingewilligt haben, du entsprechende Lizenzgebühren zahlst. Das musst du natürlich alles Hand und Fuß haben. Sonst wird das halt schwierig. Sonst hast du halt wieder negative Fälle. Also wie dieser Fall Jason Momoa, Romance Scam, 2025 war das, da wurde eine britische Witwe um 500.000 Pfund betrogen, weil sie dachte, sie hätte via Videokonferenz eine Liebesbeziehung zum Schauspieler Jason Momoa, Mr. Aquaman. Und das ist schon... Da wird es dann wieder, ich glaube nicht, dass Jason Momoa dazu gesagt hat. Das sind dann wieder diese Edge-Cases, die nicht so lustig sind. Aber wie gesagt, auch für Marketing, Kino, guck dir Star Wars an. Da wurden auch mittlerweile verstorbene Schauspieler nochmal resurrected und wurden dann für Deepfake-Szenen verwendet. Manchmal gut, manchmal nicht so gut. Aber das sind halt noch so Anfängerfehler, die passieren immer noch. Aber das wird immer besser. Und da muss ich sagen, es ist schon viel Potenzial. Wenn das alles juristisch einwandfrei ist und die Personen zugestimmt haben, finde ich das eine ganz, ganz tolle Sache. Ob das jetzt ethisch, moralisch so toll ist, wenn wir verstorbene Schauspieler doch wieder sehen, weiß ich nicht. Denkt mal an Pumuckl. Die neuen Folgen von Pumuckl sind ja mit der Stimme von Hans Klarin eingesprochen. Hans Klarin lebt nicht mehr, aber seine Verwandten, die seinen Nachlass verwalten, haben dem zugestimmt, dass seine Stimme für die neuen Pumuckl-Folgen geklont werden darf. Und da ist natürlich, ich finde das großartig, weil ich großer Hans-Karin-Fan war früher, auch von Pumuckl. Und dass der jetzt nochmal gesprochen werden kann mit Hans-Karin-Stimme, finde ich mega. Und es hat halt alles Hand und Fuß, es ist juristisch abgeklärt. Also sind die Menschen auch glücklich, die bekommen ihr Geld auch dafür, dass die Stimme genutzt wird. Also alles fein, finde ich.
Maximilian Göß
00:37:46
Also da gebe ich dir vollkommen recht, ich war ein sehr großer, was heißt sie war, ich bin immer noch ein sehr großer Pumuckl-Fan. Und ja, diese Stimme wieder zu hören in neuen Folgen war absolut großartig. Das ist auch, ich bin ein großer Fan von Remedies Max Payne. Nicht, weil es meinen Namen trägt, das ist nochmal ein anderes Thema, sondern aufgrund der Stimme von James McCaffrey. Diese herausragende, tiefe, dunkle Stimme in einem Neo-Noir-Design, das das Ganze so unglaublich, tragisch und tiefgreifend gemacht hat Das Schöne ist, dass James McCaffrey ja mit dem Spielehersteller von Remedy ja noch bis zu seinem Tod zusammengearbeitet hat mit Alan Wake 2 und dieses ganze Setting ja weitergelebt hat. Und da muss ich sagen, weil es Pumukli ja sozusagen vorgemacht hat, ich hoffe sehr, dass die Familie von James McCaffrey diese Möglichkeit auch gibt, dass diese Stimme weiterhin bestehen kann, weil, mein Gott, es gibt Stimmen, die sind einfach unglaublich göttlich und schön zu hören. Und egal wie, was wir auf jeden Fall festhalten können, auch für euch alle, seid immer euer eigener kritischer Journalist, der nochmal genau nachprüft, ist das eigentlich so, so wie es eben die Journalisten tun, so ist das jetzt auch für euch wichtig, dass wir das nicht vergessen. Was auch ganz wichtig ist, bleibt kritische Denker, hinterfragt, glaubt nicht immer gleich alles, was ihr seht und haltet euch an Zahlen, Daten und Fakten. Denn wenn, dann muss es nicht nur aus einer, sondern vor allem aus mehreren Quellen beweisbar sein. Und ich würde sagen, unsere abschließenden Worte hierzu sind auf jeden Fall, seid kritisch. Guckt nach und vergesst nicht, KI ist hier nicht unbedingt das Problem. Das Problem ist eher, dass unsere sozialen Sicherheitsmechanismen, die wir ja haben aus einer Welt stammen, wo Sehen und Hören noch Beweise waren. Nun ja, die Welt sich schneller verändert, als wir es tun. Also egal wie, habt nicht gleich Panik, schwingt nicht gleich die Moralkeule, sondern seid Teil der Veränderung und seid Mitteilhaber einer beginnenden Kultur der Verifikation.
Arno Selhorst
00:40:31
Ja, und vielleicht, wenn es was Gutes hat das Ganze, dann, dass wir doch eigentlich öfters mal wieder rausgehen und live Menschen, live von den Farben erkennen und mit denen sie uns auseinandersetzen und vielleicht ein bisschen weniger vor den Bildschirmen hängen und ein bisschen mehr wieder an die frische Luft kommen. Denn das kann uns im Moment noch keiner nehmen, dass da wirklich jemand Authentisches sitzt vor mir oder auch was verkauft oder mit mir plaudert oder mit mir auch streitet. Und das ist auch ganz schön, glaube ich. Und das sollten wir uns ein bisschen wieder angewöhnen, denke ich.
Maximilian Göß
00:40:59
Unbedingt. Das lasse ich auch so stehen.
Speaker2
00:41:01
Perfekt.
Maximilian Göß
00:41:02
Dann, wir hören uns zur nächsten Folge. Danke euch fürs Zuhören und bis bald. Ciao.
Arno Selhorst
00:41:09
Tschüss.

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