404

Arno Selhorst, Maximilian Göß
Since 01/2026 9 Episoden

Blase not Found

So lasst das Geld sich im Kreise drehen!

19.06.2026 25 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge sprechen wir über die aktuelle KI-Blase und darüber, wie stark sich rund um Unternehmen wie Nvidia, OpenAI, Oracle, Microsoft, AMD, Mistral, XAI und Tesla finanzielle und technologische Verflechtungen aufgebaut haben. Wir beschreiben diese Beziehungen als ein dichtes Netz aus Investitionen, Cloud-Deals, Rechenzentrumsverträgen und Chip-Lieferungen, das schwer zu überblicken ist.

Wir ordnen diese Entwicklung als Mischung aus Hype und realem Fortschritt ein. Dabei vergleichen wir den Verlauf mit dem Gartner-Hype-Cycle: frühe Euphorie, überhöhte Erwartungen und danach ein Tal der Ernüchterung. Gleichzeitig sagen wir, dass KI in vielen Bereichen bereits konkrete Anwendungen findet und sich in immer mehr Themenfelder hineinbewegt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Einfluss auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Wir sprechen darüber, dass KI-Unternehmen hohe Summen für Lobbying bewegen und dass KI als strategisches Thema geopolitisch aufgeladen ist. Dabei geht es auch um die enge Verbindung zwischen wirtschaftlichen Interessen, öffentlichen Aussagen und der Wahrnehmung von KI in der Öffentlichkeit.

Außerdem thematisieren wir den Arbeitsmarkt. Wir kritisieren die Aussage, KI könne pauschal menschliche Jobs ersetzen, und unterscheiden zwischen echter Automatisierung und der bloßen Ersetzung schlechter Prozesse. Besonders problematisch sehen wir, dass junge Berufseinsteiger bereits aus manchen Einstiegspositionen gedrängt werden, obwohl ihnen an der Hochschule oft die Nutzung von KI untersagt wurde.

Zum Schluss sprechen wir über den Umgang mit dem Thema insgesamt. Wir warnen vor überteuerten KI-Kursen und vor Menschen, die das Thema nur für eigene Ziele nutzen. Unser Fazit ist, dass ein realistischer Blick auf den tatsächlichen Nutzen wichtiger ist als weiterer Hype.

Lust was loszuwerden? podcast@404.info oder direkt über das Kontaktformular unserer Website! 4null4.letscast.fm

In dieser Folge sprechen wir über die aktuelle KI-Blase und die engen finanziellen und technologischen Verflechtungen zwischen Unternehmen wie Nvidia, OpenAI, Microsoft, Oracle, AMD, Mistral, xAI und Tesla. Wir ordnen die Entwicklung als Mischung aus Hype und realem Fortschritt ein und beziehen uns dabei auf den Gartner-Hype-Cycle.
Außerdem sprechen wir über die Bedeutung von KI für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, einschließlich Lobbying und geopolitischer Aufladung. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Arbeitsmarkt: Wir unterscheiden zwischen echter Automatisierung und dem bloßen Ersetzen schlechter Prozesse und kritisieren, dass junge Berufseinsteiger dadurch unter Druck geraten.
Zum Schluss warnen wir vor überteuerten KI-Kursen und vor einem Umgang mit dem Thema, der stärker von Interessen als von praktischem Nutzen geprägt ist. Unser Fazit ist, dass ein realistischer Blick auf die tatsächlichen Anwendungen wichtiger ist als weiterer Hype.

Du hast Lust ein bestimmtes Thema über das wir sprechen sollen, würdest gerne sachliche Kritik äußern oder hättest Interesse als Gast? Dann schreibe uns gerne an podcast@404.info!

Transkript

Perfekt. Ich mute mich.
Maximilian Göß
00:00:03
Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren neue Folge unseres wunderbaren, charismatischen, sympathischen und großartigen Podcasts mit unserer neuen Podcast-Folge von unserem Podcast 404. Und Arno, ich muss jetzt direkt die Frage stellen, drückt die Blase bei dir?
Arno Selhorst
00:00:29
Wie meine, welche Blase, Max? Ich rede jetzt gerade von der AI-Blase.
Maximilian Göß
00:00:33
Weil bei mir drückt die massiv.
Arno Selhorst
00:00:35
Ach, das ist so ein Dauerzustand, also eigentlich gar keine wirklichen Druckerlebnisse mehr. Das ist seit dreieinhalb Jahren immer dasselbe Spiel. Man sagt Hype, man sagt nicht Hype, man sagt, es ist irgendwie mehr geworden, Oh, gleich verfliegt der Hype. Für mich ehrlich gesagt ist das nach wie vor ein Grundrauschen, den man im Grunde nach einer Weile nachgibt und dann einfach damit fließt in den Fluss.
Maximilian Göß
00:01:00
Also ich muss jetzt hier mal ganz kurz das Thema Blase, weil bei mir drückt schon. Wenn wir jetzt mal überlegen, Nvidia, OpenAI, Oracle, Microsoft, AMD, Mistral, Tesla, ja selbst Elon spielt mal wieder mit. Wenn wir das jetzt mal aufgucken, fangen wir mal an. Oracle baut gerade für OpenAI die ganzen Rechenzentren. Und, das ist auch ein sehr witziger Vertrag, wenn OpenAI flüssig ist und sie das Rechenzentrum abgenommen haben, dann bekommt Oracle Geld. So, gleichzeitig, Oracle und OpenAI haben einen dicken Cloud-Deal. So, das ist jetzt nämlich spannend, weil Oracle ist nämlich auch Microsofts größter Cloud-Provider, parallel auch momentan für OpenAI. Microsoft investiert dafür auch gerade ganz, ganz viel Geld in OpenAI. OpenAI kauft sich das ganze Zeug, die GPUs, bei NVIDIA, während NVIDIA die ganze Zeit natürlich auch Richtung Oracle guckt, weil die natürlich einen Cloud-Deal haben. Gleichzeitig natürlich NVIDIA, Microsoft mit GPUs praktisch Überschreibt, weil für Asia natürlich das Cloud-System man natürlich auch irgendwas braucht. Gleichzeitig ist die Softbank im Hintergrund ganz aktiv und kümmert sich gerade sehr, um Oracle zu investieren und auch in OpenAI. Wenn wir dann weitergucken, Nvidia, die ja praktisch mit, und jetzt witzigerweise ja mit AMD sehr in Competition stehen, aber gleichzeitig ja irgendwie auch zusammenarbeiten, weil es ja zum Schluss ein Markt ist, Nvidia, die momentan auch noch eine Milliarde in Figure AI reinstecken, Die wiederum einen Deal mit Mistral AI, also sprich den Franzosen haben, die wiederum von AMD momentan ja Geld kriegen, weil die ja investieren. Parallel Nvidia natürlich unglaublich viel Chips an XAI schickt und jetzt wird es natürlich spannend. X, wer hätte es gedacht? Geht es natürlich um den Werten Elon, der natürlich dann mit XAI das Zeug natürlich in Twitter, also jetzt X reinballert, was natürlich dann auch eine Kooperation logischerweise mit Tesla natürlich zusammenbringt. Gleichzeitig Oracle und CoreWeave ja auch noch Partner bei der Cloud Capacity sind, die sich wieder gegenseitig finanzieren. Die aramischen Amirate natürlich auch natürlich noch mitmachen bei XAI und gleichzeitig ja wieder OpenAI in andere Sachen investiert. Also die Blase, die wir da jetzt haben, also für mich, für mich drückt die nicht nur, die ist praktisch nicht nur gefühlt kurz vorm Platzen, Arno.
Arno Selhorst
00:03:42
Ja, aber irgendwie ist das doch linke Tasche, rechte Tasche, oder?
Maximilian Göß
00:03:45
Ja eben, deswegen ist es ja Blase. Stell dir mal vor, einer fällt aus, das ganze virtuelle Geld. Aber was passiert denn? Allein Oracle, dieser Kaufvertrag, der nur dann funktioniert, wenn das Rechenzentrum abgenommen ist und wenn einfach OpenAI gerade kein Geld hat und dann sagt, oh ja, dann nehmen wir es halt nicht ab und Oracle dann wieder kein Geld bekommt und dann wieder die Softbank Probleme kriegt, gleichzeitig aber wieder Nvidia im Spiel ist. Wie soll das denn dann alles funktionieren und wie geht es denn weiter? Also ich habe da massive Blasenbedenken.
Arno Selhorst
00:04:16
Kennst du dieses Meme mit dem Typen, der vor diesem Board steht und diese roten Fäden überall über die Wand gehen und er versucht irgendwie zu erklären, dass das alles miteinander zusammenhängt? So ähnlich kam mir das gerade vor, als du das erklärt hast. Ich habe nämlich ab der Mitte irgendwann nicht verloren, wer wem eigentlich Geld gibt. Ich hätte mal gerne Grafik davon, wie was zusammenhängt und wer davon wirklich profitiert.
Maximilian Göß
00:04:37
Ja, das ist eine gute Frage, weil ich gucke mir diese Grafik an, die ich mir nämlich erstellt habe, mit sehr, sehr viel Recherche über Bloomberg, Reuters und so weiter und so fort. Und seit ich mir das aufgebaut habe, denke ich mir, oh mein Gott, das ist ja völliger Wahnsinn, indem wir uns damit...
Arno Selhorst
00:04:56
Aber ist das nicht eigentlich, Max, so eine Wette auf die Zukunft? Also das ist jetzt, da sind ganz viele Unternehmen, die haben sich ein bisschen schon die Finger verbrannt mit Blockchain vorher, damit Metaverse und jetzt gehen sie in das nächste Ding rein. Ich will nicht sagen, dass das dasselbe ist, ich glaube nämlich tatsächlich, dass diese ganze KI-Kiste so ein bisschen anders läuft als Metaverse und Blockchain, aber das ist ja immer so eine große Wette. Und jetzt ist das Ganze auch noch geopolitisch extremst aufgeladen. Wir sind in einer sehr prekären globalen Situation gerade, in der strategische Vorteile von Ländern tatsächlich über Leben und Tod entscheiden. Vielleicht ist ja jetzt das Thema KI deswegen auch so ernst und so stark mit Finanzen unterstützt, weil alle sehen, okay, wenn alle Parameter gleich sind, zählt letzten Endes nur, wer hat die beste Intelligenz. Und dann setzen die Länder ja auf, ja, im Grunde alles und sehen dann natürlich eine Verschmelzung, ob die gut ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Eine Verschmelzung von Politik und Wirtschaft, wie wir es in den USA sehen. Wir sehen es, oder haben es schon immer gesehen, in China, wie da natürlich Politik die Wirtschaft leitet. In den USA ist es fast umgekehrt, da leitet eher die Wirtschaft die Politik, habe ich das Gefühl. In Europa ist es vielleicht irgendwie gemischt oder auch nicht. Wir wissen es nicht, wie stark Lobby hier ist, aber auch natürlich stark. Jedenfalls ist es so, dass in Washington DC mittlerweile die KI-Unternehmen ähnliche Beträge für Lobbying aufrufen, wie seinerzeit noch die Ölindustrie und die Zigarettenindustrie davor. Und das zeigt eigentlich schon, in welche Richtung das Ganze geht. Geld wechselt gerade extremst viel den Partner. Aber lustigerweise, muss ich ja auch sagen, sagt man trotzdem, zum Beispiel OpenAI verdient immer noch kein Geld. Die sind immer noch nicht in den schwarzen Zahlen. Die sind immer noch in den roten Zahlen.
Maximilian Göß
00:06:35
Deswegen hat mich das ja so gewundert, wo ja Sam Altman zu den GPU-Erbauern gegangen ist und ja gesagt hat, ja, wir brauchen einfach noch ein paar Firmen von euch, die könnt ihr ja schon mal bauen. Und die ja dann alle angefangen haben, den Kopf zu schütteln, weil sie dachten, was zur Hölle ist denn bitte mit dem Kerl verkehrt?
Arno Selhorst
00:06:54
Er hat ja auch gesagt, also schon vor zwei Jahren gesagt, es wird noch viel höhere Investments geben müssen in Rechenzentren. Dagegen, da hatten wir glaube ich auch schon mal drüber gesprochen, spricht natürlich auch die Entwicklung neuer KI-Modelle, die gar nicht so viel Speicher brauchen und gar nicht so viele Chipsets brauchen, die mit viel weniger zufrieden sind und viel effizienter laufen. Wenn die erstmal richtig an den Start kommen, dann weiß man natürlich nicht, was macht man mit den ganzen großen Rechenzentren. Da kann ich natürlich immer noch sagen, naja, dann habe ich halt noch mehr Power, weil noch effizientere Modelle bei großen Rechenzentren natürlich noch effizienter, noch besser laufen. Also da kann man hin oder her argumentieren. Ich möchte auch eine Sache zu dem Thema Trend oder Hype sagen. Also wir erleben das ja oft auch hierbei in unserem Innovationsbereich ganz häufig, dass man immer abwägen muss, ist das jetzt nur so ein schnöder Hype oder ist das echt ein Ding mit Substanz? Meistens verläuft das immer so nach dem Gartner-Hype-Cycle. Der fängt immer ganz klein an. Da sind noch wenige Menschen, die sich darüber im Klaren, was hier gerade passiert. Das sind so die Garagen-Startups, die Nerds, die sich über irgendwelche Themen unterhalten. Die Early Adopter, die Bleeding-Edge-Leute, die ganz am Anfang stehen von Trends, die entdecken das. Und dann kommt das irgendwann in die Haupt-, in die Mainstream-Presse. Menschen reden drüber, bis dann irgendwann die Bildzeitung das Thema auch verstanden hat und an ihre Leserschaft oder an ihre Bilderguckerschaft weitergeben. Und dann ist das Ganze so auf dem Peak of Inflated Expectations, heißt das. Das ist so der Gipfel des Hypes. Dann redet jeder und deine Oma darüber, dass sie mit KI was zu tun haben. Ich habe letztens noch einen Artikel von meiner Mutter bekommen, vom Stadtanzeiger. Da ging es eigentlich um ein ganz anderes Thema, aber man hatte richtig den Eindruck, da wurde einfach absichtlich das Thema KI mit reingeschmissen, weil ja KI gerade verkauft. Und ich fand das so erleuchtend und so revealing, wo das jetzt KI einfach überall reingeworfen wird, weil dann leben es die Leute halt. Das ist für mich der Peak of Inflated Expectations. Das ist beim Gartner Halbzeit die Kurve, die ganz nach oben geht. Dann reden alle drüber. Und dann passiert meistens was ganz Interessantes, nämlich. Die Kurve flacht radikal und ganz schnell wieder ab und geht ganz stark runter in so ein Tal, das Tal der Tränen. Und das passiert immer dann, wenn die Leute rausfinden, naja, das, was da so versprochen wurde mit dem großen Hype, das ist es ja gar nicht. Und eigentlich kann eine KI ja gar nicht so viel, wie wir alle gesagt haben. Das stimmt ja alles gar nicht. Wir leben jetzt aber in so einer ganz komischen Welt, in der das teilweise wahr ist. Wir sind im Tal der Tränen, nämlich in unsere ganzen Use Cases, die wir langsam sammeln. In Unternehmen, die jetzt anfangen, echte Anwendungsbereiche zu finden, Anwendungsszenarien zu finden für KI, für KI-Frameworks, Architekturen, Layer und so weiter, Plattformen für einzelne KI-Modelle etc. Pp., dann findet sich wirklich Anwendung wieder, also hands-on, aber gleichzeitig gibt es immer wieder neue Trends und neue technologische Entwicklungen, neue Algorithmen, neue Plattformen, die dann wieder auf den Peak of Inflated Expectations da oben wieder rumeiern. Und das ist das Verrückte an dem, was wir gerade haben. Wir haben ständig wieder, als wäre jeden Tag Weihnachten, wieder neue Trends, neue Dinge, die mit KI zu tun haben. Und KI scheint sich so in alles, was wir bisher so gemacht haben, reinzufressen. Und deswegen übernimmt hier und da immer wieder neue Themen. Seien das jetzt Juristen, seien das jetzt Verwaltung, seien das Politik, seien das Wirtschaft, Soziales, Kultur. Überall frisst sich plötzlich das Thema KI so rein. Und deswegen haben wir so eine Mischung aus ständig Peak of Inflated Expectations auf der einen Seite und Tal der Tränen auf der anderen. In diesem Fegefeuer bewegen wir uns gerade. Aber deswegen muss ich sagen, ist meine Blase noch nicht voll, sondern sie wird immer wieder released, sie wird immer wieder ein bisschen geleert, diese Blase, durch das Tal der Tränen. Und dann kommt immer wieder neuer Content dazu. Und diese starke Umwältungsdynamik, die wir da haben, die ist tatsächlich etwas ermüdend auf Dauer. Das muss ich schon zugeben. Das ist nicht einfach da zu leben in so einer Zeit, wenn man das alles covern will.
Maximilian Göß
00:10:35
Also ich muss sagen, ich bin jetzt sehr gespannt, wie diese Blase weitergeht, weil irgendwann muss dieses Ding irgendwie platzen und wenn es im Tal der Tränen läuft, weißt du, wenn ich überlege, Wenn du jetzt diese ganzen Videos von irgendwelchen NVIDIA-CEOs und Co. Siehst und es geht nur noch um AI, AI, AI, das Gefühl kann man es ja
Arno Selhorst
00:10:56
Nicht mehr hören.
Maximilian Göß
00:10:57
Parallel gab es jetzt, ist ja noch gar nicht so lange her, diese witzige Sache, wo ja ein NVIDIA-Manager sagte, ja, also KI ist
Arno Selhorst
00:11:04
Ja eigentlich viel.
Maximilian Göß
00:11:05
Teurer, als wenn wir einfach die Menschen lassen, weil das eskaliert ja gerade komplett in allem. und Menschen sind günstiger als KI, auch sehr, sehr spannend. Parallel haben wir ja diese Sache, dass ja Nvidia gerade die Gaming-Welt einmal hinter sich lässt und sagt, ach ja, dass wir wieder groß geworden sind, den Schmarrn brauchen wir gar nicht mehr, Grafikkarten völlig übertrieben, ja, wir machen so noch GPUs und ab jetzt gibt es so noch Rechenzentren und Grafikkarten, ach, so ein Zeug, das brauchen wir nicht. Also, wir sind ja hier gerade in dieser Welt, wo ja gerade ganz, ganz viel gleichzeitig passiert, keiner mehr eigentlich weiß, was los ist, wir ja immer noch nicht in echter KI unterwegs sind, sondern in Wahrscheinlichkeitsrechnern in unterschiedlichen Formen und Farben und wir ja gleichzeitig egal, um was es ja geht und das ist ja das, was mich inzwischen so nervt, alles ist ja inzwischen KI. Selbst wenn du bei McDonalds am Schalter stehen würdest, würde man das inzwischen als KI verkaufen, auch wenn ein normaler Mensch sitzt, der einfach nur seinen Job machen will. Also die Frage ist, wo wollen wir denn eigentlich hin und wie geht es denn jetzt überhaupt weiter, weil wenn wir jetzt so weiter eskalieren, kommen da überhaupt noch die Leute mit?
Arno Selhorst
00:12:11
Ja, aber ich glaube, also mittlerweile hat sich das ziemlich getrennt, wenn ich mir das die letzten drei Jahre so angucke, die ich das enger verfolge. Also da haben wir angefangen mit einem Szenario, das relativ ebenerdig noch war für alle. Alle gingen im Grunde los und sagten, wow, krass, was der Lied da gemacht hat. Der Lied 2 war da gerade so in der Mache von OpenAI. Und man konnte sich im Grunde dann auch so ein bisschen auf Bildergenerierung beziehen. Die ersten Chatbots kamen auf. Man war noch so ziemlich auf derselben Wellenlinie. Das Interessante, es sei denn, man war sowieso in die Richtung Machine Learning, Data Scientist, man hatte schon jahrelang immer mit KI zu tun, dann ist das was anderes. Aber so Nasen wie ich, die sich für generative KI interessieren, Menschen, die vor drei Jahren, dreieinhalb Jahren da reingestiegen sind, da haben wir im Grunde so eine Basis gesehen, die relativ gleich war. Und was dann passierte, ist halt, dass viele Menschen mit hoher Geschwindigkeit KI genutzt haben, um abzuheben und weiter zu preschen. Egal was passiert, also Compliance sei mal dahingestellt, alles einfach durchgedengelt. Und es gab Menschen, die sagten, ist alles nur ein Hype, wir warten erstmal ab. Und es gab die, die sagten, ja, ich interessiere mich schon dafür, ich bin jetzt nicht so voll dahinterher. Und dadurch hat sich so ein Feld aufgezogen, das sich immer weiter auseinander zieht, wie so eine Schere. Und jetzt hast du halt Leute, die gar keine Ahnung haben, aber gerne mehr Ahnung hätten. Du hast Leute, die informiert sind, aber sich nicht die Ahnung, die Zeit haben, sich die ganze Ahnung auch anzulesen und zu verstehen. Du hast Leute, die komplett nach vorne stürmen und eigentlich schon völlig die Bodenhaftung da verloren haben und schon eine Vision haben, die andere noch total verrückt finden. Und du hast die Leute, die sagen, ach, das ist alles eh nur immer ein Hype, ich bleibe hier sitzen und warte, ich sitze das Ganze aus. Diese verschiedenen Positionen sind mittlerweile nicht mehr vereinbar. Und deswegen hast du Menschen wie dich, die sagen, das ist alles im Grunde ein Hype. Du sagst ja auch zu Recht, das ist auch Geldmacherei irgendwo. Es ist alles aufgeblasen, eben eine Blase. Das lässt sich gar nicht mehr irgendwie, das muss ja irgendwann mal explodieren. Es gibt Leute wie ich, die sagen, naja, gut, das könnte eine Blase sein. Aber selbst wenn sie platzt, was haben wir dann? Was bleibt denn übrig? Dann haben wir richtig coole Use Cases, weil dann ist der Intest-Check passiert. Das ist die Blase, die platzt. Nicht unbedingt das Finanzielle, sondern der Nutzwert für die Menschen wird dann klar. Und dann wissen sie nämlich auch, wie viel sie dafür bezahlen wollen und wie viel eben auch nicht. Und eine Glühbirne einzuschrauben, dafür brauche ich keine KI. Da will ich auch nicht 5000 Euro für bezahlen, weil das plötzlich KI heißt. Dann sehe ich ganz klar einen Nutzwert. Nein, das ist es nicht wert. Und dann regulieren sich die Finanzen, glaube ich, von selber. Aber wenn ich nach vorne gehe und dann doch sage, ich habe Use Cases, die ich brauchen kann, die mein Leben einfacher machen, ist das ein besserer Zustand, als der, der war, bevor diese Blase existierte. Und, und das finde ich wichtig, wir haben auch den Stand, also selbst wenn du von heute auf morgen mit KI komplett brichst und sagst, wir machen keine wissenschaftliche Forschung mehr in KI, global, ab jetzt, dann haben wir immer noch so viele massiv gute Modelle. Dass wir da die nächsten 10, 20 Jahre bestimmt noch mit beschäftigt sind, deren Mehrwert überhaupt erst mal zu entdecken. Das ist wie so eine leere Landschaft, die du erst mal kartografieren musst. Deswegen, also ich hätte ja gar nichts dagegen. Manchmal wird es so gesagt, ja, du willst ja den Hype weiterreiten. Nee, gar nicht, weil selbst wenn das Ding platzt, das macht mir überhaupt keine Angst, weil das, was wir haben, reicht locker, um die nächsten 10, 20 Jahre noch Arbeit zu gestalten, neue Jobs zu generieren, Profile neu zu entdecken, die wir dann jetzt haben mit KI. Da ist noch so viel zu tun. Das Problem ist halt nur, dass es sich immer weiter bewegt und dieser Zug auch noch immer schneller dabei fährt. Und das halte ich halt für echt problematisch mittlerweile, weil es Gesellschaft auseinanderzieht mittlerweile. Und das ist halt nicht so schön.
Maximilian Göß
00:15:58
Und da muss ich jetzt einhaken, Arno, weil gerade das Thema Jobs, wir haben ja momentan, also durch Corona gab es ja mehr Einstellungen und jetzt ist es ja aktuell so, und das passiert ja über Firmen hinweg, wo Manager ja behaupten, ja, also hier die ganzen Leute, die brauchen wir jetzt nicht mehr, weil ja KI die Jobs übernimmt. Eine völlig stupide und völlig hirnrissige Aussage, weil es einfach faktisch nicht stimmt. So, aber genau die Leute sorgen ja gerade mit dafür, dass diese Blase ja noch größer wird. Also sie ist ja zum einen auf der einen Seite, weil sie ja immer das Geld hin- und herschieben, aber zum anderen, weil es ja solche Aussagen gibt. Das ist ja, was mich gerade so wahnsinnig macht, ist das, KI ist gleich Automatisierung, nee, ist es nicht das eine ist Automatisierung das passiert, weil, mein Gott, wir werden moderner, entwickeln uns weiter, die Firmen natürlich auch und dementsprechend brauchst du weniger Menschen, Personal, aber das hat ja nichts mit KI zu tun das ist ja genauso wie beim Thema Digitalisierung wenn du Antrag 57a, bei dem du noch Antrag C brauchst und den Faxen musst, digitalisierst, dann ist es ein schlechter Prozess, den du digitalisierst. Deswegen bleibt es trotzdem ein schlecht digitalisierter Prozess. Damit du ja wirklich etwas anders machst, geht es ja ins Design Thinking und wirklich Lösungen zu bauen. So, momentan haben wir aber, und das ist das, warum ich das auch so als Blase bezeichne, klar, zum einen dieses Geld hin- und hergeschiebe, aber eben auch diese wahnsinnigen Aussagen, wo ich manchmal das Gefühl habe, wissen diese Manager eigentlich überhaupt nicht, was sie mit diesen Aussagen bewirken, weil das sind einfach Falschinformationen. Das ist strikt und einfach falsch. Ich kann doch nicht behaupten, ja, jetzt wo KI kommt, da brauchst du den ganzen Menschen nicht mehr. Das hat damit erst mal nichts zu tun. Und deswegen bezeichne ich das auch so als Blase, auch weil es natürlich selbst produziert wird. Wir hypen uns ja praktisch gleichzeitig selbst, heben uns immer mehr ab und gleichzeitig kommen wir jetzt in Wege. Und da gebe ich dir eben vollkommen recht, das driftet so weit auseinander, wissen wir denn überhaupt noch, wo links und rechts ist und wo wir gerade stehen? Weil als Gesellschaft machen wir, glaube ich, auf dem Wege gerade sehr viel kaputt.
Arno Selhorst
00:18:05
Ja. Also es gibt ja schon einen Begriff für AI-Washing. Das ist, wenn man Jobs streichen möchte und dann opportun sagt, ach weißt du was, dann sage ich einfach für KI machen wir das, dann wirken wir auch noch sehr modern gleichzeitig und ich kann die Jobs dann eben direkt streichen. Ich glaube, dass das tatsächlich, also ganz objektiv gesagt, aus meiner Perspektive, kurzfristig kann das sogar richtig gut ziehen und das funktioniert sicher. Aber was passiert denn? Irgendwann wird es rauskommen, okay, für einige Jobs brauchst du tatsächlich Menschen, warum auch immer, aus welchen Gründen auch immer, aber das braucht man immer noch, glaube ich, das zwischen den Ohren ist eigentlich unschlagbar. Dann sind die aber weg. Und natürlich reden Menschen. Und wenn sie nicht total verzweifelt sind, werden die den Teufel tun, zu dem Unternehmen nochmal zurückzugehen, das großlauthals gesagt hat, wir brauchen keine Menschen, weil wir jetzt KI haben. Und das muss sich den Unternehmen klar machen. Wenn die so in die Öffentlichkeit gehen und das sagen, dann müssen sie nicht damit rechnen, dass sie Top-Talent bekommen, wenn es dann wieder um eine Einstellungsrunde geht für echte Menschen. Das große Problem ist auch, ich habe jetzt am Wochenende, letztes Wochenende nochmal mit jüngeren Leuten dazu gesprochen, die jetzt aus der Uni kommen, gerade Bachelor und Master gemacht haben. Die jungen Leute werden teilweise gerade nicht mehr eingestellt. Und einer von zehn wird eingestellt, war meine kleine Küchenumfrage. Und die bekommen tatsächlich auch zu hören, ja, für diese Entry-Level-Position haben wir jetzt im Grunde AI eingesetzt. Und das macht natürlich mit Studierenden, die, oder von der FH, was auch immer, Ausbildung kommen, die da jetzt reingehen, was macht das mit denen auf zweierlei Die haben an der Uni immer gehört, sie dürfen keine KI nutzen, weil das Betrug ist und schummeln und kriegen dann wahrscheinlich sogar auch eine Abmahnung, weiß ich was, wenn sie KI nutzen. Und dann wollen sie in den Job, wo sie endlich aus Fleißarbeit und eigenem tun, weil sie KI ja nicht nutzen dürfen, den Abschluss geschafft haben, kommen ins Arbeitsleben und dann wird denen gesagt, ach übrigens, hier kannst du jetzt nicht mitspielen, weil wir nutzen KI. Da bist du im mentalen Spagat fast auf Ansprung, glaube ich. Da ist kurz vor Schluss, wenn du auf der einen Seite hörst, du darfst es nicht nutzen, auf der anderen Seite kriegst du deinen Job nicht, weil du ersetzt wirst durch das, was du in der Uli-Zeit nicht nutzen durftest. Also es ist ganz schwierig. Ich gehe jetzt in ein anderes Thema vielleicht, aber der Hype, glaube ich, wird vor allen Dingen von Menschen gefördert, die kurzfristig Profite da drin sehen, KI nach vorne zu schieben und als Auslöser für alles Mögliche zu nehmen. Die Menschen, die sich ernsthaft damit beschäftigen, sehen auch, dass das differenziert hat, gesehen werden muss und eben nicht einfach, ja, so eine einfache Milchmädchenrechnung ist, jetzt kann ich hier KI einsetzen, jetzt brauche ich den Max und den Anu nicht mehr. So einfach ist es halt nicht. Und das sehen aber viele nicht. Das wird auch, glaube ich, also die Rechnung wird noch kommen für diese Unternehmen oder auch Individuen, die so reden und so agieren, weil das ist nicht das Ende der Geschichte, ganz sicher nicht. Da bin ich deiner Meinung, da kriegt KI ja auch ein falsches Image. Stört es mich, wenn Hinz und Kunden über KI reden, da bin ich zwiegespalten, weil das ist eigentlich immer mein Anliegen gewesen, dass viele Menschen in den Diskurs gehen und darüber reden. Was ich nur halt dann nicht so cool finde, ist halt, wenn Leute uninformiert oder so darüber reden, dass sie eigentlich nur ihre eigene Agenda damit pushen. Es ist denen völlig egal, ob sie das Ding jetzt KI nehmen oder Metaverse oder Blockchain. Oder es ist denen völlig egal, Hauptsache sie kriegen ihre Agenda gepusht, sie hustlen ihr Ding. Das ist dann total wurscht. Und das finde ich halt immer ein bisschen schade. Ich bin dann also dann irgendwann auch raus aus dem Ding.
Maximilian Göß
00:21:39
Also, ja, das fasst das leider erstaunlich gut zusammen. Also, wir hatten es ja erst neulich, wo wir ja über Führung bzw. Den Gallup-Index ja geredet haben. Da war das ja auch mit drin. Also, Gen Z, gerade die jungen Menschen, so wie du es jetzt auch gerade sagst, die jetzt ihre Entry-Level-Jobs ja nicht mehr bekommen, weil auf der einen Seite war AI böse und gleichzeitig kriegen sie jetzt keinen Job genau deswegen. Das führt ja irgendwann auch zu einer Dissonanz. Da kann ja der heutige Mensch einem ja eigentlich nur leid tun, dass auch deren Begeisterung ja so massiv geschrumpft ist von, was weiß ich, 36 auf 22 Prozent. Also ein riesiger Unterschied. Wir machen einfach mal wieder unglaublich viel kaputt. Und es enttäuscht mich so, dass einfach Aussagen von Managern getroffen werden, die gar nicht, glaube ich, wissen, was sie da gerade dann auch mit kaputt machen. Also in die Blase einsteigen und gleichzeitig die Blase hypen und gleichzeitig irgendwie auch eine der Nadeln sind, die es gefährlich machen können, dass diese Blase platzt.
Arno Selhorst
00:22:43
Ja, wie gesagt, ich habe aber gar nichts dagegen, wenn die Blase platzt. Also so oder so, es ist eigentlich völlig egal. Ich finde das nicht schlimm, weil wenn diese Blase platzt, haben wir wieder so einen neuen Realismus. Und dann stehen wir halt vielleicht vor einem Trümmerhaufen, aber zumindest stehen wir vor was, mit dem wir wieder arbeiten können. Das ist völlig okay. Also da habe ich gar keinen Schmerz mit. Ich habe eher einen Schmerz damit, wenn man einen falschen Kompromiss lange mitzieht, statt einfach zu sagen, okay, weißt du was, das bringt es jetzt so nicht. Und was man klar sagen muss, ist, es gibt mittlerweile extremst viele Schlangenölverkäufer, die einfach nur auf der KI-Welle reiten, weil sie eine ganz eigene persönliche Agenda durchpuschen wollen. Und das ist das, das halte ich halt für echt perfide, weil jemand, der jetzt neu in dem Thema ist oder der ernsthaft sich interessiert, der oder die weiß ja gar nicht, ist das jetzt ein seriöses Angebot oder nicht, muss ich jetzt wirklich diesen KI-Kurs für 5300 Euro machen für alle drei Stunden oder reicht es vielleicht auch nur für 1000 Euro eine Stunde? Und ich sage, ey Leute, das könnt ihr euch alles selber beibringen. Es gibt alles kostenlos im Internet. Ihr müsst nur wissen, wo. Lasst euch da nicht, und das ist vielleicht nochmal ein Aufruf an diejenigen, die jetzt so reinsteigen wollen, das Thema, lasst euch da nicht hinters Nicht führen mit irgendwie Hochglanzkursen, die unheimlich viel Geld kosten. Das ist meistens mittlerweile, glaube ich, nicht wirklich der Weg, den man gehen sollte. Ihr könnt euch mittlerweile so viel kostenlos von Unis und von Unternehmen, KI-Kurse an Land ziehen, die nichts kosten, dass ihr wirklich nicht wirklich Geld ausgeben müsst. Das sagt jemand, der versucht immer zu sparen bei solchen Sachen. Also ganz sicher.
Maximilian Göß
00:24:11
Finde ich gut, dass du das sagst, weil so ein bisschen, ich nenne es jetzt mal auch bewusst, Reality-Check ist da durchaus wichtig. Einfach, damit man a. nicht den Boden verliert und b. Ja, also wenn die Blase platzt, egal wie sie dann platzt, oder vielleicht platzt sie auch nicht, aber es gibt den großen Reality-Check, der wird schon irgendwie nötig sein, weil auch da schaffen wir es wieder, auf perfide Art und Weise doch mehr kaputt zu machen, als wir eigentlich müssten. Und das ist doch irgendwie schade. Ja, mal wieder. Wir sind halt Menschen und immer dann, wenn es menschelt, dann wird es schwierig. Ja, das heißt, jetzt können wir unsere Folge abschließen mit Die Blase drückt weiterhin und mal gucken, ob man es noch recht schafft, rechtzeitig dahin schafft, dass es nicht so schlimm ist, wenn es platzt oder hoffentlich nicht. Und bis dahin, schönen Tag. Ciao.
Arno Selhorst
00:25:10
Ciao.

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